Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Leipzig e. V.

OBM-Radtour_2026

Impressionen zur Oberbürgermeister-Radtour am Mittwoch, den 20. Mai 2026. © Philipp Böhme

OBM-Radtour in Grünau zeigt Wirkung: ADFC-Hinweise fließen in weitere Planungen

Die OBM-Radtour durch Grünau zeigt Wirkung: Das Mobilitäts- und Tiefbauamt hat die Hinweise und Vorschläge des ADFC Leipzig ausgewertet und in laufende sowie zukünftige Planungen eingeordnet. Der direkte Austausch vor Ort bringt Themen in Bewegung.

Die jährliche Radtour mit Oberbürgermeister Burkhard Jung ist mehr als ein gemeinsamer Termin auf dem Fahrrad: Sie bringt konkrete Probleme und Ideen direkt auf die Straße. Die nun vorliegende Bewertung des Mobilitäts- und Tiefbauamtes zeigt, dass zahlreiche Hinweise des ADFC Leipzig geprüft, fachlich bewertet und teilweise in weitere Planungen aufgenommen werden. Besonders für Grünau ergeben sich daraus neue Perspektiven.

Die jährliche OBM-Radtour bietet uns als ADFC Leipzig die Möglichkeit, gemeinsam mit Oberbürgermeister, Verwaltung und weiteren Beteiligten dorthin zu fahren, wo Verbesserungen für den Radverkehr notwendig sind. Statt nur über Pläne und Karten zu sprechen, können Situationen direkt vor Ort betrachtet, Probleme nachvollzogen und mögliche Lösungen diskutiert werden.

Bei der diesjährigen Tour führte die Strecke unter dem Motto „50 Jahre Grünau – auf neuen Wegen durch die Stadt“vom Cottaweg über Lindenau und den Lindenauer Hafen bis nach Schönau und Grünau. An mehreren Stationen haben wir konkrete Vorschläge für bessere Radverbindungen, sichere Querungen und notwendige Netzschlüsse eingebracht.

Nun hat das Mobilitäts- und Tiefbauamt die angesprochenen Punkte ausführlich bewertet. Die Stellungnahme zeigt: Nicht jede Idee lässt sich kurzfristig umsetzen – doch viele unserer Hinweise werden weiterverfolgt, in laufende Projekte eingeordnet oder bei zukünftigen Planungen berücksichtigt.

Mehr zur Tour unter: OBM-Radtour in Grünau zeigt Wirkung: Stadt bewertet Hinweise des ADFC

Cottaweg: Direktere Verbindung zwischen Lindenau und Innenstadt

Gleich an der ersten Station ging es um eine wichtige Verbindung zwischen Lindenau und der Innenstadt. Ein Schwerpunkt war die Querung der Festwiese und damit die Frage, wie Radfahrende künftig möglichst direkt und sicher in Richtung Zentrum gelangen können.

Die Stadt kündigt an, eine solche Verbindung im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau einer Stadionbrücke zu prüfen. Ziel ist eine durchgängige und möglichst umwegfreie Radverbindung. Damit greift die Verwaltung einen Punkt auf, der bereits Bestandteil des Ratsbeschlusses für bessere Radwegeverbindungen zwischen Alt-West, Lindenau und der Innenstadt ist.

Auch eine zusätzliche Brücke ausschließlich für den Fuß- und Radverkehr ist weiterhin Bestandteil des Rahmenplans für das Stadionumfeld. Eine solche Verbindung könnte langfristig dazu beitragen, den Radverkehr unabhängig vom Kfz-Verkehr sicherer durch das stark frequentierte Gebiet zu führen.

Nicht jeder Vorschlag lässt sich allerdings realisieren. Bei einer zusätzlichen Abbiegemöglichkeit am Cottaweg verweist die Verwaltung auf technische Einschränkungen im Zusammenhang mit der Sanierung der Zeppelinbrücke.

Trotzdem zeigt die Antwort: Die zukünftige Entwicklung des Stadionumfeldes bietet die Chance, wichtige Radverkehrsverbindungen neu zu denken.

Demmeringstraße: Wichtige Verbindung bleibt im Hauptradnetz

Auf dem weiteren Weg Richtung Grünau stand die Verbindung zwischen Lindenau und Leutzsch im Mittelpunkt. Wir hatten vorgeschlagen, die Demmeringstraße als Fahrradstraße weiterzuentwickeln.

Die Verwaltung sieht dafür derzeit allerdings keine ausreichenden Voraussetzungen. Ein wesentlicher Grund ist die fehlende direkte Querung der S-Bahn-Strecke. Solange hier keine attraktive Verbindung besteht, würde eine Fahrradstraße aus Sicht der Stadt ihr Potenzial nicht vollständig entfalten.

Gleichzeitig bestätigt das Mobilitäts- und Tiefbauamt jedoch die verkehrliche Bedeutung der Demmeringstraße: Sie bleibt eine wichtige Basisroute im Leipziger Hauptradnetz.

Auch mögliche Alternativen zur Querung der Merseburger Straße wurden betrachtet. Hier hält die Verwaltung weiterhin die bestehende Führung über die Apostelstraße für wichtiger und möchte diese entsprechend priorisieren.

Ein langfristig besonders wichtiger Punkt ist die barrierefreie Querung der S-Bahn. Eine Rampenlösung für die bestehende Unterführung konnte bislang unter anderem aus baulichen und finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Die Verwaltung schließt eine zukünftige Lösung jedoch nicht grundsätzlich aus. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, könne das Thema erneut geprüft werden.

Für uns bleibt diese Querung entscheidend: Ein Radverkehrsnetz ist nur so gut wie seine Verbindungen. Gerade Bahntrassen dürfen nicht dauerhaft zu Barrieren zwischen Stadtteilen werden.

Lindenauer Hafen: Neue Verbindungen Richtung Grünau im Blick

Am Lindenauer Hafen wurde deutlich, wie eng Radverkehr und Stadtentwicklung miteinander verbunden sind. Rund um den Hafen und die Plautstraße werden sich in den kommenden Jahren verschiedene Bereiche verändern – und damit entstehen auch neue Chancen für den Radverkehr.

Im Rahmen des Projekts „i-24 Plautstraße“ sind umfangreiche Umbauten vorgesehen. Unter anderem sollen Haltestellen barrierefrei ausgebaut und die Plautstraße neugestaltet werden.

Wir haben bei der OBM-Radtour außerdem mögliche neue Verbindungen zwischen Lindenauer Hafen, Schönau und Grünau thematisiert. Ein direkter Radweg über die Sukzessionsfläche ist nach Angaben der Verwaltung derzeit zwar nicht vorgesehen. Gleichzeitig werden aber andere Möglichkeiten betrachtet.

Dazu gehören neue Trassen entlang der Schönauer Lachen ebenso wie mögliche Verlängerungen bestehender Hauptrouten. Damit bleibt das Ziel einer besseren Vernetzung des Gebietes grundsätzlich auf der Agenda.

Gerade am Lindenauer Hafen zeigt sich, warum es wichtig ist, Radverkehr frühzeitig in Stadtentwicklungsprojekte einzubeziehen. Werden neue Quartiere, Straßen und öffentliche Räume geplant, müssen sichere und direkte Verbindungen von Anfang an mitgedacht werden – und nicht erst im Nachhinein ergänzt werden.

Schönau: Netzlücken bei neuen Planungen berücksichtigen

Auch in Schönau sind unsere Hinweise in laufende Planungsprozesse eingeflossen. Ein Beispiel ist das geplante Recycling- und Baustoffzentrum an der Lützner Straße.

Beim dazugehörigen Bebauungsplan wird die Sicherung öffentlicher Fuß- und Radwegeverbindungen ausdrücklich als Planungsziel berücksichtigt. Die Stadt untersucht verschiedene Trassenführungen, mit denen langfristig eine Verbindung zwischen den Schönauer Lachen und dem Saale-Leipzig-Kanal gesichert werden könnte.

Darüber hinaus haben wir auf weitere fehlende Verbindungen im Hauptradnetz aufmerksam gemacht. Nicht überall kann kurzfristig gebaut werden: Teilweise fehlen verfügbare Flächen oder andere Rahmenbedingungen stehen einer schnellen Umsetzung entgegen.

Entscheidend ist für uns jedoch, dass diese Lücken erkannt werden und bei zukünftigen Planungen nicht aus dem Blick geraten. Genau dafür sind Termine wie die OBM-Radtour wichtig: Netzlücken, die auf einem Plan möglicherweise abstrakt wirken, werden vor Ort unmittelbar sichtbar.

Grünau: Radverkehrskonzept soll besonders betrachtet werden

Am Schulzentrum Grünau ging es schließlich um die Radverkehrsführung innerhalb des Stadtteils. Diskutiert wurden unter anderem weitere Fahrradstraßen und die Frage, wie bestehende Hauptrouten attraktiver und durchgängiger gestaltet werden können.

Die von uns vorgeschlagenen Straßen sieht die Verwaltung derzeit nicht als geeignete Fahrradstraßen an. Als Grund nennt sie unter anderem eine bereits parallel verlaufende wichtige Basisroute.

Interessanter ist deshalb der Blick auf die langfristigen Verbindungen. Eine attraktivere Hauptroute könnte perspektivisch durch eine barrierefreie Querung der S-Bahn und eine neue Brücke über das Elsterflutbett entstehen. Beide Elemente könnten entscheidende Barrieren im Netz überwinden und Grünau besser mit den angrenzenden Stadtteilen verbinden.

Besonders wichtig ist für uns das Fazit der Verwaltung: Grünau verdient eine spezielle Überarbeitung des Radverkehrskonzeptes.

Die bei der OBM-Radtour eingebrachten Vorschläge sollen in die Fortschreibung des Leipziger Hauptroutennetzes einfließen und bei den kommenden Planungsschritten erneut betrachtet werden. Für einen Stadtteil mit rund 50 Jahren Geschichte und vielen eigenständigen Wegebeziehungen ist das ein wichtiges Signal.

Nicht jeder Vorschlag wird umgesetzt – aber jeder wird diskutiert

Die Rückmeldung des Mobilitäts- und Tiefbauamtes zeigt auch die Grenzen solcher Termine. Einige unserer Vorschläge lassen sich derzeit aus technischen, finanziellen oder eigentumsrechtlichen Gründen nicht umsetzen. Andere werden von der Verwaltung anders bewertet oder zugunsten bestehender Routen nicht weiterverfolgt.

Doch genau darum geht es bei einem konstruktiven Dialog: Vorschläge werden nicht nur geäußert, sondern fachlich geprüft, diskutiert und mit laufenden oder zukünftigen Planungen abgeglichen.

Und an mehreren Stellen zeigt die Stellungnahme konkrete Perspektiven: eine mögliche neue Verbindung über die Festwiese, eine zusätzliche Brücke für Rad- und Fußverkehr im Stadionumfeld, die langfristige Prüfung barrierefreier S-Bahn-Querungen, neue Wegebeziehungen rund um den Lindenauer Hafen, gesicherte Radverbindungen bei der Entwicklung in Schönau und eine besondere Überarbeitung des Radverkehrskonzeptes für Grünau.

Vor Ort diskutieren, langfristig etwas bewegen

Für uns zeigt die Auswertung, welchen Wert die jährliche OBM-Radtour hat. Sie macht Probleme dort sichtbar, wo Menschen ihnen im Alltag begegnen. Verwaltung, Politik und Interessenvertretungen können gemeinsam auf die konkrete Situation schauen, unterschiedliche Perspektiven austauschen und Lösungsansätze diskutieren.

Natürlich entsteht dadurch nicht am nächsten Tag ein neuer Radweg. Viele Veränderungen in der Verkehrsplanung brauchen Jahre. Umso wichtiger ist es, dass notwendige Verbesserungen frühzeitig in Planungsprozesse eingebracht und anschließend konsequent weiterverfolgt werden.

Genau das verstehen wir unter kontinuierlicher Interessenvertretung: Probleme benennen, fachliche Vorschläge machen, im Gespräch bleiben – und immer wieder nachhaken.

Wir werden deshalb auch die bei der OBM-Radtour diskutierten Projekte weiter begleiten. Unser Ziel bleibt ein Radverkehrsnetz, auf dem Menschen sicher, zügig und bequem durch Leipzig kommen – in Grünau genauso wie in allen anderen Stadtteilen.

Mehr zur diesjährigen Tour: OBM-Radtour: 50 Jahre Grünau – auf neuen Wegen durch die Stadt

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