Zur OBM-Radtour: 50 Jahre Grünau – auf neuen Wegen durch die Stadt
Gemeinsam durch Regenhttps, Netzlücken und Zukunftsvisionen: Bei der letzten Oberbürgermeister-Radtour mit Burkhard Jung diskutierten rund 60 Teilnehmende über bessere Radverbindungen nach Grünau, sichere Wege und neue Ideen für Leipzigs Radverkehr.

Die diesjährige Oberbürgermeister-Radtour stand unter dem Motto „50 Jahre Grünau – auf neuen Wegen durch die Stadt“ und führte gemeinsam mit rund 60 Teilnehmenden vom Cottaweg bis nach Grünau-Nord. Trotz eines kräftigen Regenschauers zwischendurch blieb die Stimmung gut – und vor allem der gemeinsame Wille spürbar, Leipzig fahrradfreundlicher und besser vernetzt weiterzuentwickeln.
Für den ADFC Leipzig war die Tour in diesem Jahr eine besondere: Es war die letzte Oberbürgermeister-Radtour mit Burkhard Jung. Über viele Jahre hinweg hat er diese Tradition begleitet und damit einen direkten Austausch zwischen Stadtverwaltung, Politik, Verbänden und Bürger*innen ermöglicht. Dafür bedanken wir uns ausdrücklich und hoffen, dass seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger diese wichtige Form des Dialogs weiterführt.
Im Fokus der diesjährigen Route stand die Frage, wie Grünau künftig besser, sicherer und direkter an die Leipziger Innenstadt angebunden werden kann. Der ADFC Leipzig stellte entlang der Strecke konkrete Ideen für eine neue stadtteilverbindende Radvorrangroute vor – abseits der stark belasteten Hauptachsen und näher an den Menschen, Wohnquartieren, Schulen, Grünräumen und sozialen Einrichtungen.
Station 1: Cottaweg / Stadionumfeld
Bereits am Startpunkt wurde deutlich, welches Potenzial in besseren Verbindungen rund um das Stadionumfeld steckt. Diskutiert wurden unter anderem eine neue Stadionbrücke für den Fuß- und Radverkehr, attraktivere Querungen der Festwiese sowie bessere Anschlüsse zwischen Stadion, Waldstraßenviertel und Palmengarten. Gerade die heutige Wegeführung über die Zeppelinbrücke gilt aus Sicht des ADFC als umwegig und wenig attraktiv – unter anderem wegen mehrerer Ampelstopps und fehlender Querungen. Eine neue Brücke könnte hier direkte, sichere und attraktive Verbindungen schaffen.
Station 2: Demmeringstraße / S-Bahn Lindenau
Die Demmeringstraße wurde als mögliche Fahrradstraße vorgestellt. Mit ihrem guten Asphalt, den angrenzenden Wohnquartieren sowie vielen Schulen, Kitas und sozialen Einrichtungen bietet sie großes Potenzial als attraktive Nord-Süd-Verbindung parallel zur stark belasteten Lützner Straße. Gleichzeitig wurden Probleme an Querungen und Unterführungen sichtbar – etwa an der Merseburger Straße oder der nicht barrierefreien S-Bahn-Unterführung Richtung Neulindenau. Hier braucht es aus Sicht des ADFC bessere und direktere Lösungen für den Alltagsradverkehr.
Station 3: Lindenauer Hafen
Rund um den Lindenauer Hafen ging es vor allem um fehlende Netzverbindungen und neue Wege durch Grünräume. Obwohl die Demmeringstraße und die Hafenbrücke nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen, fehlen direkte Verbindungen – stattdessen müssen große Umwege gefahren werden. Der ADFC schlug vor, bestehende Wirtschaftswege und bereits genutzte Trampelpfade sinnvoll weiterzuentwickeln, um attraktive Verbindungen Richtung Schönau und Grünau zu schaffen. Gleichzeitig wurde über die Bedeutung des Kanalradwegs sowie über die Verbindung nach Burghausen gesprochen.
Station 4: Schönau / Schönauer Kirche
In Schönau stand die Verbindung zwischen Grünräumen, Wohnquartieren und dem Radverkehr im Mittelpunkt. Diskutiert wurde ein möglicher neuer Radweg über die Schönauer Wiesen, der bestehende Netzlücken schließen könnte – mit deutlich geringeren Eingriffen als ein Ausbau entlang der Lützner Straße. Dabei wurde auch deutlich, wie wichtig sichere Wege für Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen sind. Gerade Grünau und Schönau bieten enormes Potenzial für mehr Radverkehr, benötigen dafür aber attraktive und alltagstaugliche Routen abseits der Hauptverkehrsachsen.
Station 5: Schulzentrum Grünau / Plovdiver Straße
Am Zielpunkt in Grünau-Nord wurde noch einmal über die langfristige Entwicklung des Radverkehrsnetzes gesprochen. Das Schulzentrum mit mehreren Schulen, angrenzenden Wohnquartieren und sozialen Einrichtungen zeigt exemplarisch, wie wichtig sichere Wege für Kinder und Jugendliche sind. Gleichzeitig wurde auf die geplante Radschnellverbindung Richtung Markranstädt hingewiesen. Aus Sicht des ADFC braucht Grünau eine gezielte Überarbeitung des Radverkehrskonzeptes – mit besseren Anschlüssen nach Lindenau, Leutzsch, Rückmarsdorf, Böhlitz-Ehrenberg und in die Innenstadt.
Besonders deutlich wurde auf der gesamten Tour:
- Gute Radverbindungen entstehen nicht nur entlang großer Straßen.
- Kleine Netzlücken entscheiden oft darüber, ob Wege attraktiv und alltagstauglich sind.
- Grünau besitzt enormes Potenzial für mehr Radverkehr – braucht dafür aber sichere, direkte und komfortable Verbindungen.
Ein großer Dank gilt allen Ordner*innen, der Fahrradstaffel der Polizei sowie insbesondere unserer AG Verkehr für die intensive Planung, fachliche Vorbereitung und Durchführung der Tour.




