OBM-Radtour in Grünau zeigt Wirkung: Stadt bewertet Hinweise des ADFC
Die jährliche OBM-Radtour zeigt Wirkung: Das Mobilitäts- und Tiefbauamt hat die Hinweise des ADFC Leipzig ausgewertet und nimmt Stellung zu zahlreichen Vorschlägen für den Radverkehr und die kommende Planung.

Die jährliche Radtour mit Oberbürgermeister Burkhard Jung war für den ADFC Leipzig weit mehr als ein gemeinsamer Termin auf dem Fahrrad. Sie bietet die Möglichkeit, konkrete Problemstellen direkt vor Ort zu besprechen, Herausforderungen sichtbar zu machen und gemeinsam mit der Stadtverwaltung nach Lösungen zu suchen. Dass dieser Austausch Wirkung zeigt, belegt die nun vorliegende fachliche Bewertung des Mobilitäts- und Tiefbauamtes zu den Stationen der diesjährigen OBM-Radtour. Darin setzt sich die Verwaltung ausführlich mit den Hinweisen und Vorschlägen des ADFC Leipzig auseinander und ordnet sie in laufende Planungen ein.
Cottaweg: Bessere Verbindungen rund ums Stadion
Bereits an der ersten Station standen mehrere Themen auf der Agenda. Besonders wichtig war dem ADFC eine sichere Querung der Festwiese zwischen Lindenau und der Innenstadt. Die Stadt kündigt an, die vorgeschlagene Verbindung im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Stadionbrücke zu prüfen. Ziel sei eine durchgängige und möglichst umwegfreie Radverbindung, wie sie bereits im Ratsbeschluss zu besseren Radwegeverbindungen zwischen Alt-West, Lindenau und der Innenstadt vorgesehen ist.
Auch die Idee einer zusätzlichen Brücke ausschließlich für den Rad- und Fußverkehr bleibt Bestandteil des Rahmenplans für das Stadionumfeld. Bei anderen Vorschlägen – etwa einer zusätzlichen Abbiegemöglichkeit am Cottaweg – verweist die Verwaltung dagegen auf technische Grenzen im Zuge der Zeppelinbrückensanierung.
Demmeringstraße: Hauptroute statt Fahrradstraße
Ein weiterer Schwerpunkt war die Verbindung zwischen Lindenau und Leutzsch. Der ADFC hatte vorgeschlagen, die Demmeringstraße als Fahrradstraße zu entwickeln. Die Verwaltung hält dies derzeit nicht für zielführend, da die fehlende direkte Querung der S-Bahn-Strecke die Attraktivität der Verbindung einschränkt. Gleichzeitig bestätigt sie jedoch die Bedeutung der Demmeringstraße als wichtige Basisroute des Leipziger Hauptradnetzes.
Auch alternative Querungen der Merseburger Straße wurden geprüft. Die Verwaltung kommt zu dem Ergebnis, dass die bestehende Führung über die Apostelstraße aufgrund ihrer höheren Bedeutung für den Radverkehr weiterhin Vorrang hat.
Positiv ist zudem, dass die Stadt die langfristige Bedeutung einer barrierefreien S-Bahn-Unterführung ausdrücklich anerkennt. Obwohl eine Umsetzung bislang aus finanziellen und baulichen Gründen scheiterte, hält die Verwaltung fest, dass sich die Rahmenbedingungen künftig ändern könnten und eine Rampenlösung dann erneut geprüft werden sollte.
Lindenauer Hafen: Neue Perspektiven für den Radverkehr
Am Lindenauer Hafen standen zukünftige Entwicklungen im Mittelpunkt. Die Stadt informiert darüber, dass im Zuge des Projekts „i-24 Plautstraße" umfangreiche Umbauten geplant sind. Haltestellen sollen barrierefrei ausgebaut und die Plautstraße neugestaltet werden.
Darüber hinaus beschreibt die Stellungnahme verschiedene Optionen, wie neue Wegeverbindungen in Richtung Hafen und Grünau entstehen könnten. Ein direkter Radweg über die Sukzessionsfläche ist zwar aktuell nicht vorgesehen, gleichzeitig werden jedoch neue Trassen entlang der Schönauer Lachen sowie mögliche Verlängerungen bestehender Hauptrouten betrachtet.
Schönau: Radverkehr bei neuer Stadtentwicklung mitdenken
Auch in Schönau zeigt die Stellungnahme, dass die Hinweise des ADFC in laufende Planungsverfahren eingeflossen sind. Beim Bebauungsplan für das Recycling- und Baustoffzentrum an der Lützner Straße wird die Sicherung öffentlicher Fuß- und Radwegeverbindungen ausdrücklich als Planungsziel benannt. Die Stadt prüft verschiedene Trassenführungen, um die Verbindung zwischen Schönauer Lachen und dem Saale-Leipzig-Kanal langfristig zu sichern.
Darüber hinaus setzt sich die Verwaltung mit den vorgeschlagenen Netzschlüssen auseinander. Zwar verweist sie darauf, dass einige Flächen derzeit nicht verfügbar sind, gleichzeitig bestätigt sie aber den Bedarf, bestehende Lücken im Hauptradnetz perspektivisch zu schließen.
Grünau: Besondere Überarbeitung angekündigt
Am Schulzentrum Grünau diskutierten die Teilnehmenden unter anderem über weitere Fahrradstraßen und attraktivere Hauptrouten. Die Stadt sieht die vorgeschlagenen Straßen derzeit nicht als geeignete Fahrradstraßen an, weil parallel bereits eine wichtige Basisroute verläuft. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass eine attraktivere Hauptverbindung langfristig durch eine barrierefreie Querung der S-Bahn sowie eine neue Brücke über das Elsterflutbett entstehen könnte.
Besonders bemerkenswert ist das Fazit der Verwaltung: Darin heißt es ausdrücklich, dass Grünau eine spezielle Überarbeitung des Radverkehrskonzeptes verdient. Die Vorschläge des ADFC Leipzig sollen in die Fortschreibung des Hauptroutennetzes einfließen und bei den nächsten Planungsschritten erneut geprüft werden.
Kontinuierlicher Dialog bringt den Radverkehr voran
Die Stellungnahme macht deutlich, dass nicht jeder Vorschlag sofort umgesetzt werden kann. Technische, finanzielle oder eigentumsrechtliche Rahmenbedingungen setzen einzelnen Maßnahmen Grenzen. Gleichzeitig zeigt das Dokument aber auch, dass die Hinweise des ADFC systematisch geprüft und in laufende Planungen einbezogen werden.
Genau darin liegt der Wert der jährlichen OBM-Radtour: Probleme werden direkt vor Ort sichtbar, Ideen gemeinsam diskutiert und anschließend in den fachlichen Planungsprozess überführt. Der ADFC Leipzig wird diese Projekte auch weiterhin konstruktiv begleiten – mit dem Ziel, dass aus den heute diskutierten Vorschlägen die sicheren Radverbindungen von morgen werden.
Mehr zur OBM-Radtour unter: leipzig.adfc.de/neuigkeit/zur-obm-radtour-50-jahre-gruenau-auf-neuen-wegen-durch-die-stadt