Die Stadt Leipzig markiert weitere Fahrradweichen (RiM) rot
Mehr Aufmerksamkeit für Radfahrende: Die Stadt Leipzig markiert weitere Fahrradweichen rot. Die Maßnahme kann Konfliktstellen entschärfen – ersetzt aber längst keine sichere, baulich getrennte Radinfrastruktur.

Ab dem 20. April 2026 werden in Leipzig an mehreren Kreuzungen sogenannte Radfahrstreifen in Mittellage (Fahrradweichen) rot markiert.
Ziel der Maßnahme ist es, die Sichtbarkeit von Radfahrenden zu erhöhen und die Aufmerksamkeit des Kfz-Verkehrs gezielt auf Konfliktbereiche zu lenken. Fahrradweichen befinden sich zwischen Geradeaus- und Rechtsabbiegespur – also genau dort, wo es besonders häufig zu kritischen Situationen kommen kann.
Eingefärbter Asphalt soll für eine bessere Wahrnehmung und mehr Aufmerksamkeit sorgen, um zusätzlich damit die Sicherheit zu erhöhen. Gleichzeitig ist er eine vergleichsweise kosteneffiziente Lösung: Studien und Praxisbeispiele zeigen, dass Asphalt – auch in roter Ausführung – deutlich günstiger ist als viele gepflasterte Varianten und dabei komfortabler und langlebiger bleibt.
Die Markierungen werden zunächst an folgenden Standorten umgesetzt:
- Wundtstraße / Karl-Tauchnitz-Straße (Zentrum-Süd)
- Karl-Liebknecht-Straße / Richard-Lehmann-Straße (Connewitz)
- Braunstraße / Stöhrerstraße (Schönefeld-Ost)
Weitere Einfärbungen sind im Laufe des Jahres unter anderem an der Adenauerallee / Rohrteichstraße, Eisenbahnstraße / Rosa-Luxemburg-Straße sowie an der Essener Straße / Maximilianallee geplant.
Die Arbeiten erfolgen bei laufendem Verkehr und sind witterungsabhängig. Insgesamt investiert die Stadt Leipzig im Jahr 2026 rund 70.000 Euro in die Markierung bestehender Fahrradweichen. Aktuell wird der Radverkehr bereits an etwa 50 Stellen im Stadtgebiet auf diese Weise geführt.
Unsere Einordnung:
Die Rotmarkierung ist dabei keine Luxuslösung, kann aber dazu beitragen, Konfliktstellen besser sichtbar zu machen und die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu erhöhen. Gerade an Kreuzungen und Einmündungen – also dort, wo viele Konflikte entstehen – wird die farbliche Hervorhebung auch in technischen Regelwerken wie den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) ausdrücklich empfohlen.
Gleichzeitig bleibt klar: Für echte Sicherheit braucht es durchgängige, baulich geschützte Radinfrastruktur, die Konflikte von vornherein vermeidet. Radfahrstreifen in Mittellage (RiM) sind ein Instrument aus der „Toolbox“ einer stark autozentrierten Verkehrsplanung. Sie werden häufig zwischen Geradeaus- und Rechtsabbiegespuren angeordnet, um den klassischen Konflikt am rechten Fahrbahnrand zu entschärfen. Ihr Vorteil liegt vor allem darin, die Leistungsfähigkeit von Kreuzungen für den motorisierten Individualverkehr aufrechtzuerhalten. Für den Radverkehr entstehen jedoch weiterhin konfliktträchtige Situationen im direkten Mischbereich mit abbiegenden Fahrzeugen.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein differenziertes Bild: Eine Studie von Richter et al. (2019) weist darauf hin, dass die Gesamtzahl der Radverkehrsunfälle nach Einführung von RiM zwar leicht zurückgehen kann, gleichzeitig jedoch der Anteil schwerer Unfälle zunimmt. Zudem ist die subjektive Sicherheit deutlich eingeschränkt: In Befragungen fühlte sich fast die Hälfte der Radfahrenden auf solchen Anlagen unsicher, viele meiden sie bewusst.
Für Leipzig gilt aktuell: Auffällige Unfallhäufungen an bestehenden RiM sind bislang nicht erkennbar. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, dass sich viele Menschen auf diesen Führungsformen nicht sicher fühlen – ein entscheidender Faktor dafür, ob Radverkehr im Alltag tatsächlich genutzt wird. Die Wirkung von Roteinfärbungen ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, wird in der Praxis jedoch weiterhin empfohlen, da sie die Sichtbarkeit erhöht und die Aufmerksamkeit des Kfz-Verkehrs verbessert. Diese Einschätzung teilen wir.
Unser Fazit: Rot markierte Radfahrstreifen können kurzfristig zur besseren Wahrnehmung beitragen. Langfristig braucht es jedoch eine Infrastruktur, die Radfahrende klar trennt, schützt und ihnen ein sicheres Gefühl gibt – nur so gelingt eine echte Verkehrswende.
Mehr dazu unter: www.leipzig.de/newsarchiv/news/fuer-mehr-aufmerksamkeit-stadt-markiert-weitere-radfahrstreifen-in-mittellage-rot
Vorherige Artikel zu Fahrradweichen in Leipzig: https://leipzig.adfc.de/artikel/in-gedenken-an-den-4-juli-2024-was-hat-sich-getan