Die Nonnenstraße wird zur Fahrradstraße nach neuem Standard
Mit der Umgestaltung der Nonnenstraße setzt Leipzig erstmals den sächsischen Leitfaden für Fahrradstraßen um. Sicherheitstrennstreifen, bevorrechtigte Einmündungen und eine klare Gestaltung sollen den Radverkehr sichtbarer und sicherer machen.

Die Nonnenstraße wird zur Fahrradstraße. Ab dem 29. Juni 2026 erhält der rund einen Kilometer lange Abschnitt zwischen Erich-Zeigner-Allee und Karl-Heine-Straße eine neue Beschilderung sowie umfangreiche Fahrbahnmarkierungen. Damit setzt die Stadt Leipzig einen weiteren wichtigen Baustein für den Radverkehr um.
Bereits im vergangenen Jahr wurden erste bauliche Maßnahmen umgesetzt. Mit sogenannten Gehwegnasen an Kreuzungen wurden Querungswege für Fußgänger*innen verkürzt und die Geschwindigkeit abbiegender Fahrzeuge reduziert. Nun folgt der letzte Schritt: die offizielle Ausweisung als Fahrradstraße.
Fahrradstraße nach neuem Standard
Die Nonnenstraße nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Das Mobilitäts- und Tiefbauamt orientiert sich bei der Umgestaltung erstmals am Leitfaden Fahrradstraßen des Freistaates Sachsen. Dadurch unterscheidet sich die Nonnenstraße künftig in mehreren Punkten von den bisher 18 bestehenden Fahrradstraßen in Leipzig.
Die neue Gestaltung soll den Vorrang des Radverkehrs deutlich sichtbar machen. Dazu gehören eine eindeutige Beschilderung, neue Markierungen sowie eine Straßenraumgestaltung, die sich konsequent an den Bedürfnissen des Radverkehrs orientiert. Verkehrszählungen hatten ergeben, dass das Fahrrad in der Nonnenstraße das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Sie ist zugleich eine Hauptroute im Leipziger Radnetz.
Besonders erfreulich ist aus unserer Sicht die Einrichtung von beidseitigen Sicherheitstrennstreifen zwischen parkenden Autos und der Fahrgasse. Sie sollen das Risiko sogenannter Dooring-Unfälle durch plötzlich geöffnete Fahrzeugtüren reduzieren. Genau diese Maßnahme empfehlen wir als ADFC Leipzig bereits seit Jahren für Fahrradstraßen. Bereits 2020 haben wir in unserer Stellungnahme zu Leipziger Fahrradstraßenstandards Sicherheitstrennstreifen als wichtigen Qualitätsstandard gefordert.
Ein weiterer wichtiger Fortschritt ist die Bevorrechtigung der Fahrradstraße an den Einmündungen der Weißenfelser Straße, Ernst-Mey-Straße und Erdmannstraße. Rote Markierungen machen die Vorfahrtsregelung künftig deutlich sichtbar. Lediglich an der Industriestraße bleibt diese als Hauptstraße vorfahrtsberechtigt.
Auch das Erscheinungsbild wird aufgewertet: Die Fahrradstraßen-Piktogramme werden erstmals dauerhaft mit Kaltplastik aufgebracht. Am Beginn der Fahrradstraße an der Erich-Zeigner-Allee entsteht zudem eine sogenannte Torsituation, die den Beginn der Fahrradstraße auch baulich verdeutlicht. Ergänzt wird die Umgestaltung durch drei ausgewiesene Lieferzonen für den Wirtschaftsverkehr, während die bestehenden Kurzzeitparkplätze erhalten bleiben. Insgesamt investiert die Stadt rund 64.000 Euro in die Maßnahme, davon übernimmt der Freistaat Sachsen 54.000 Euro.
Für Radfahrende bringt die neue Fahrradstraße weitere Verbesserungen: Sie dürfen künftig auf der gesamten Strecke nebeneinander fahren und genießen – mit Ausnahme der Industriestraße – Vorrang an den Einmündungen. Für den Kfz-Verkehr gilt weiterhin Tempo 30, allerdings nur, sofern Radfahrende dadurch weder behindert noch gefährdet werden. Die Gehwege bleiben selbstverständlich den Fußgänger*innen sowie Kindern bis acht Jahren auf dem Fahrrad vorbehalten.
Ein wichtiger Schritt – aber noch nicht das Ziel
Wir begrüßen die Umgestaltung ausdrücklich. Die Nonnenstraße gehört seit Jahren zu den wichtigsten Verbindungen im Leipziger Radnetz. Verkehrszählungen zeigen, dass hier bereits heute das Fahrrad das meistgenutzte Verkehrsmittel ist.
Besonders positiv bewerten wir, dass bei der Planung zunehmend Qualitätsstandards umgesetzt werden, für die wir uns als ADFC Leipzig seit vielen Jahren einsetzen. Bereits 2020 haben wir in einer ausführlichen Stellungnahme unter anderem Sicherheitstrennstreifen, eine klare Bevorrechtigung von Fahrradstraßen, gut erkennbare Markierungen und hochwertige Fahrbahnen empfohlen.
Mit der Nonnenstraße finden sich nun erstmals mehrere dieser Empfehlungen in einer Leipziger Fahrradstraße wieder.
Fahrradstraßen müssen ihren Namen verdienen
Gleichzeitig bleibt aus unserer Sicht weiterer Handlungsbedarf. Fahrradstraßen sollten nicht nur durch ein Verkehrsschild gekennzeichnet sein, sondern sich auch im Straßenraum deutlich von gewöhnlichen Tempo-30-Straßen unterscheiden.
Dazu gehören aus unserer Sicht unter anderem:
- sichere Abstandsstreifen zu parkenden Fahrzeugen,
- eine klare Bevorrechtigung gegenüber Nebenstraßen,
- hochwertige und komfortable Fahrbahnen,
- eine wirksame Reduzierung des Kfz-Durchgangsverkehrs sowie
- eine Gestaltung, die den Radverkehr eindeutig in den Mittelpunkt stellt.
Die Nonnenstraße zeigt, dass Leipzig sich Schritt für Schritt in diese Richtung bewegt. Diesen Weg gilt es nun konsequent weiterzugehen – auch bei künftigen Fahrradstraßen in der Stadt.
Denn Fahrradstraßen entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie ihrem Namen gerecht werden: als sichere, komfortable und attraktive Verbindungen für den Radverkehr.
Gute Radverkehrsplanung stärkt auch Handwerk und Gewerbe
Ein oft übersehener Aspekt der Umgestaltung: Mit der Fahrradstraße entstehen gleichzeitig drei neue Lieferzonen. Sie erleichtern Handwerksbetrieben, Lieferdiensten und Gewerbetreibenden das Be- und Entladen und schaffen klare Verhältnisse im Straßenraum.
Dass diese Lieferzonen nun umgesetzt werden, ist auch Ergebnis konstruktiver Zusammenarbeit. Bereits im Planungsprozess haben wir uns eingesetzt, neben einer sicheren Radverkehrsführung auch die berechtigten Bedürfnisse von Handwerk und Gewerbe mitzudenken. Unsere Hinweise wurden von der Verwaltung aufgegriffen und schließlich politisch weiterentwickelt. „Eine gute Fahrradstraße funktioniert nicht gegen das Handwerk, sondern gemeinsam mit ihm. Die neuen Lieferzonen zeigen, dass sich Verkehrssicherheit und wirtschaftliche Interessen sinnvoll miteinander verbinden lassen. Genau solche Lösungen wünschen wir uns künftig häufiger", so Andrej Krocker, verkehrspolitischer Sprecher vom ADFC Leipzig.
Für uns ist die Nonnenstraße deshalb ein gelungenes Beispiel dafür, dass gute Verkehrsplanung alle im Blick haben kann: Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, ebenso wie Handwerksbetriebe, Lieferdienste und Anwohnende.
Wir wünschen uns, diesen konstruktiven Dialog künftig auch gemeinsam mit der Handwerkskammer und der IHK bei weiteren Projekten fortzuführen. Denn wenn alle Beteiligten frühzeitig an einem Tisch sitzen, entstehen Lösungen, von denen die gesamte Stadt profitiert.
Quellen:
ADFC Leipzig: Stellungnahme zu Leipziger Fahrradstraßenstandards
Stadt Leipzig: Nonnenstraße wird zur Fahrradstraße
Leipziger Zeitung: Nonnenstraße soll Fahrradstraße werden